freigehaltener Raum

Ute Strube

 

Gemäß dem Motto: „Das Schönste im Leben gibt es umsonst“ ist nachmittags der Eintritt in diesen ungewöhnlichen Spielraum für Alt und Jung frei. Spenden sind willkommen.

 

Der vordere Raum bietet auf niedrigen Tischen oder am Boden in verschiedenen Gefäßen trockenen Sand an, sowie - meist auf dem Flohmarkt erstandene - unzerbrechliche aber formschöne Küchenutensilien aus Metall, Holz oder Flechtwerk.

 

Schon Kleinkinder, kaum dass sie stehen können, nutzen dies Angebot, um mit Hingabe, Eifer und Freude sowie zunehmender Geschicklichkeit das, was sie ihre Eltern in der Küche tun sehen, endlich ohne Einmischung auch selbst tun zu können. Von den regen Gesprächen, die ihre dabeisitzenden Mütter oder Väter während dessen mit anderen führen, lassen sie sich in keiner Weise irritieren. So ist beiden geholfen: Das Spielbedürfnis der Kinder und der Redebedarf der Erwachsenen wird gleichermaßen befriedigt. Doch gibt es auch immer wieder Augenblicke, wo die Eltern beglückt das intensive Spielverhalten der Kinder wahrnehmen, und es kommt zu gemeinsamen, innigen Spielszenen zwischen Kindern und Eltern, da unermüdlich „Sandkaffee“ oder „Sandsuppe“ und Ähnliches angeboten und dankbar angenommen wird. Das Erlebnis, dass der Sand im Innenraum auf den Boden fallen darf, erhöht die Spielintensität, und großzügig wird auf die schon randvollen Kaffeekannen, Töpfchen und Schüsseln noch mehr und noch mehr Sand gehäuft.
Am Fleischwolf und an der Nuss- oder Kaffeemühle können beim Sand durchmahlen die überschüssigen Kräfte abgearbeitet werden, und welch ein Glück, wenn sich unter der Mühle ein Berg und unten am Boden noch ein Berg türmt und vom oberen rieselt es dann zum unteren: “Sieh mal ein Wasserfall!“ Die Kinder reiben mit Vorliebe Dolomitgestein oder Ziegelsteine zu weißem oder rotem Mehl. Auch ihre Entdeckungsfreude findet Nahrung, wird geweckt und befriedigt durch viele kleine und größere Schubladen, die sie alle öffnen und ihren Inhalt (verschiedene Samen, Muscheln, Schneckenhäuser, etc.) herausnehmen und mit zum Kochen und Backen nutzen können. Und alles geht erstaunlich friedlich zu; die Kinder sind so beschäftigt, dass sie für Streit einfach keine Zeit haben, vielleicht auch, weil soviel Küchenutensilien vorhanden sind, dass sie gleich zum nächsten greifen können.

 

An den Vormittagen nutzen Kinderkrippen, Kinderläden und Tagesmütter mit Gruppen von 5 bis 15 Kindern für anderthalb bis zwei Stunden für einen angemessenen Kostendsatz dieses Angebot.

 

Strandgut 1 Strandgut 3 
 Strandgut 2  Strandgut 4

 

 

Der zweite Raum bietet Bewegungselemente aus Holz zum Klettern, Balancieren und Herunterrutschen an und reichlich Stroh im hinteren Drittel, wo die Kinder hinein-springen, Gänge darin wühlen, sich hineinlegen und es hochwerfen können, um „Strohregen“ zu erzeugen, alles unter fröhlichem Lachen und Jauchzen.

 

Da der dritte Raum in der vorgesehenen Weise von Jugendlichen und Erwachsenen kaum genutzt worden ist, wird er demnächst über einen Wanddurchbruch mit den vorderen Räumen verbunden werden. So kann der Bedarf einer ruhigen Gelegenheit zum Stillen und Wickeln, sowie ein geschütztes Spielgelände für die Allerjüngsten am Boden - ohne Sand und Stroh - gleichermaßen befriedigt werden.