freigehaltener Raum

13/06/2014

Die erste internationale Vereinigung AIP(L) entstand 1997 hauptsächlich mit dem Ziel, das Institut Pikler in Budapest finanziell zu unterstützen. Es war einer der Momente, in dem die Existenz des Institutes bedroht war, und die erste Beschäftigung des neu gegründeten Vereinigung war es, die ungarischen Autoritäten für die internationale Bedeutung der Arbeit, die in der Lóczy Strasse geleistet wurde, zu sensibilisieren und Geld für eine bedeutende finanzielle Unterstützung, die das Weiterbestehen gewährleisten würde, zu sammeln. Die beiden Vorstösse waren erfolgreich und es gilt hier Istvan und Agnès Szanto für ihren Einsatz und ihr Talent zu danken, dem das Institut Pikler die Möglichkeit weiter zu arbeiten verdankt. Der ungarische Staat hat den Status des Institutes in eine Stiftung umgewandelt. Die finanzielle Beteiligung des Staates ging stark zurück, so dass das Institut gezwungen war, eigene Mittel für seine Aktivitäten zu suchen – vor allem wegen der Ausbildung – und konzentrierte alle Energie auf die Geldsuche der AIP (L). Das war nie eine einfache Aufgabe. Das Kuratorium der Stiftung, in dem die AIP(L) zwei Sitze hatte, wirtschaftete stets in einer prekären und angespannten Finanzlage.

 

Der Vorstand der AIP(L), der sich aus den VertreterInnen der verschiedenen Ländern zusammensetze, mühte sich Mitglieder und Gönner zu gewinnen, sich gegenseitig über die Erfolge zu informieren und die Geschäfte der Vereinigung im Allgemeinen. Frankreich, wo sich der Sitz der Vereinigung befand, stellte stets die meisten Mitglieder. Aber auch die Schweiz, Belgien, Spanien und die deutschsprachigen Länder haben ebenso ihre Beiträge geleistet.

 

Dank des Engagements des einen und anderen, und besonders des Generalsekretärs Istvan Szanto, konnten während der ersten Jahre die angestrebten Ziele erreicht und substantielle Beträge für das Institut Pikler gesammelt werden. Dies wurde aber zunehmend schwieriger. Der Schwung, der aus dem „Rettet das Institut“ entstand, erlahmte und jährlich einen Beitrag zu leisten ist eine andere – für einige eine weniger einsehbare – Sache. Ähnliches war bei der Mitgliedschaft festzustellen. Eine gewisse Anzahl verloren im Laufe der Jahre Interesse oder Lust mitzumachen. Auf Seiten des Vorstandes erfüllte sich der Wunsch, abgelöst zu werden nicht.

 

Die Existenz der AIP(L) selbst schuf Bedürfnisse: Informationen und Dokumente, geschrieben oder gefilmt, mussten verteilt, Treffen organisiert, die Fortbildung überdacht werden usw. … Die Kräfte des Vorstandes erlaubten es nur teilweise diesen Anforderungen nachzukommen, z. B. mittels der Website.

 

Seit 2009 hat sich der Vorstand des AIP(L) mit der Fortführung und Ausweitung der internationalen Aktivitäten auseinandergesetzt. Eine erste Umfrage per Fragebogen an Pikler Vereinigungen rund um die Welt zeigte, dass ein echtes Interesse an Kontakten, Informationen und Treffen zwischen den verschiedenen Ländern bestand, dass aber keinerlei Initiativen in diese Richtung ergriffen wurden, noch Bewegung in dieser Richtung wahrnehmbar war. Um den Vorstoss weiter zu verfolgen und zu vertiefen, erteilte der Vorstand Catherine Durand ein Mandat die verschiedenen Vereinigungen und Pikler Gruppen anzusprechen und sie, so möglich, zu treffen.

 

Aus diesen Kontakten und Befunden, die sich daraus ergaben, wuchs die Zuversicht, es wäre an der Zeit „etwas zu machen“, sprich es wäre möglich eine neue internationale Vereinigung zu schaffen. Abgesehen von den Möglichkeiten, den einen oder anderen über die verschiedenen Aktivitäten, Veröffentlichungen und Dokumentationen, die in den verschiedenen Ländern entstanden sind, zu informieren und Treffen und Austausche anzustossen, schien es wichtig, dass es einen Zusammenschluss um die Pikler Ideen geben müsste. Sobald sich Ideen verbreiten, zirkulieren, studiert, kommentiert und in die Praxis umgesetzt werden, ist in der Tat das Risiko gross, dass sie sich in verschiedene Richtungen entwickeln, sei es, dass sie erstarren und zu Dogmen werden, sei es, dass sie verwässert und aufgeweicht – kurz verfälscht werden. Das Institut Pikler war und bleibt der Referenzpunkt, aber die Ideen Piklers verbreiten sich – zum Glück –weit und erfahren verschiedene Anwendungen. Für diejenigen, die die Idee in die Welt tragen, ist es wichtig, dass sie eine Struktur vorfinden, wo Diskussion, Auseinandersetzung und Vertiefung möglich sind.

 

Um dem Ruf nach einer neuen internationalen Struktur zu folgen, fand im November 2011 ein erstes Treffen in Budapest statt, an dem etwa dreissig Personen aus elf Ländern teilnahmen. Es wurden Arbeitsgruppen zu Themen von gemeinsamen Interessen gebildet und auch ein provisorischer Vorstand bestimmt. Letzterer wurde beauftragt die Statuten einer neuen Vereinigung auszuarbeiten. An einem erneuten Treffen im Herbst 2012 wurde die neue Vereinigung unter dem Namen „Pikler international“ gegründet.

 

Die Association international Pikler (Lóczy), AIP(L), die ihre Geschäftstätigkeit einstellte, hinterliess keine Lücke, sondern trug zum Entstehen der neuen Struktur mit ihrer breiteren Basis und weiteren Zielen bei, die besser auf die Bedürfnisse derjenigen eingehen kann, die eine unpassende Übertragung der Pikler Ideen und eine erstarrte Anwendungbefürchten.

 

Raymonde Caffari
Vorstandsmitglied AIP(L)

17/06/2014

Freitag, 2. Mai 2014

 

Catherine,

 

Mein Gefühl revoltiert. Gegen den Tod, denn er ist immer inakzeptabel. Natürlich kann er in der Ordnung der Dinge sein, dann, wenn er uns in einem Alter trifft, an dem wir das Meiste oder gar alles vollbracht haben.
Für Sie aber kommt er zu früh –viel zu früh.

 

Was hätten Sie noch geben und empfangen können!

 

Wir lernten uns kennen, als Sie in die Vereinigung kamen und schnell entdeckten, dass wir durch Roland und Marie Geneviève Assathiany, Mitglieder Ihrer Familie, eine Verbindung hatten. Marie Geneviève, damals Graber, war für mich eine wertvolle Berufsfreundin. Wir entdeckten gemeinsam und enthusiastisch die amerikanischen Ansätze beim Aufbau sozialer Dienste. Roland war mein „Supervisor", als ich Prüfungen für verschiedene staatliche Diplome in sozialen Berufen abnahm. Später wurden sie in Guèry und in Paris ein gastfreundliches Paar.
Als wir, Cathérine, gemeinsam über sie und die Geschichte von Teilen Ihrer Familie sprachen –über die Roland Assathanys–fanden wir schnell eine gemeinsame Basis und wurden zu Komplizen.

 

In der APLF trafen wir uns bei Zusammenkünften, in denen es sich um die „schwierigen Institutionen"drehte. Ich liebte Ihre Präsentationen, Ihre Reaktionen auf die der Anderen und Ihre Diskussionsbeiträge. Im Rahmen der französischen Vereinigung arbeiteten wir direkt zusammen. Eigentlich in der Summe wenig, aber offenbar doch genug, dass ich an Sie dachte, als in der AIP(L) die Idee einer Art Audit aufkam.

 

Die AIPL, eine internationale Vereinigung, begann sich zu überleben, nachdem sie dem Institut Pikler Unterstützung gegeben und zwischen den verschiedenen nationalen Pikler-Vereinigungen Fäden gesponnen hatte. Die Mitgliederzahlen stagnierten, der Vorstand alterte vor sich hin, Ersatz war nicht zu finden und Innovationen gab es kaum mehr. Warum diese Situation? Was tun? Wir trafen uns mit Repräsentanten der Pikler-Bewegung aus verschiedenen Ländern.
Ihr Name, Cathérine, kam mir sofort in den Sinn, und Sie wurden kooptiert.

 

Ihre Fähigkeit, die grossenZusammenhänge einer Frage zu sehen, Ihre Kenntnis desPiklerschen Ansatzes, Ihre Bereitschaft zuzuhören und Ihr Verständnis für den Anderen, mit Ihrer Vielsprachigkeit und Ihren unternehmerischen Fähigkeiten, das waren die Gründe dieser Wahl.
Die einzige Hemmung: wir wussten um Ihre Krankheit. Es war wohl das Jahr 2000, und wir dachten, es soll Ihre Entscheidung sein –und fragten Sie an.

 

Sie nahmen an, und es wurde ein Erfolg...Es entstand aus dieser Arbeit in mehreren Jahren die Assoziation Pikler International mit neuen Zielen, näher an den aktuellen Bedürfnissen, und mit einem Generationenwechsel.

 

Und für mich ergab sich die Gelegenheit, Sie häufiger und auch –zu neuen Themen – anders zu sehen. Einegroße Freude.

 

Catherine, Sie waren eine bemerkenswerte Mitstreiterin für alle, die sich für die gemeinsamen Ziele einsetzen, diese hiterfragen um sie besser zu verstehen, sie verfeinern und dann alle Energie und Fantasie einsetzen um sie zu erreichen. Ich liebte Ihren Humor, immer freundschaftlich gegenüber den verschiedenen „Hindernissen"von der einen oder anderen Seite. Sie waren nicht naiv, eher zielsicher, aber immer mit Wärme und Toleranz.

 

Und dann kamen in jüngerer Zeit freundschaftliche Begegnungen im Rahmen des Gesangs dazu. Gute Momente, und auch da war es harmonisch. Ich bewunderte Ihren Mut, Sie schienen trotz des Leidens zu gewinnen und Sie sprachen von Ihrer Tochter. Ich lernte Reynaldo besser kennen und musste erneut bedauern, dass uns die französische Kultur sehr oft daran hindert, im Rahmen der Arbeit die Ehepartner kennen zu lernen.

 

Catherine, man sagt, niemand sei unersetzlich ...Wahr und falsch.

 

Wahr, denn sonst würde jede menschliche Aktivität aufhören. Natürlich wird jemand Ihre Funktionen übernehmen, und wir werden ihn willkommen heißen. Und diese Person wird die Aufgabe mit dem eigenen Reichtum angehen ...

 

Aber eben auch falsch, denn wer wird all das an uns herantragen, was Sie uns gegeben haben? Niemand wird sich auf die Erfahrung der Geburt einer neuen Geschichte, auf das Erleben der Zufälligkeiten des Entstehens eines neuen Organismus stützen können. Das konnten nur Sie.

 

Und ich spreche bewusst nicht von der Gewalt Ihrer Abwesenheit für alle, die Ihnen nahe standen.

 

Wie allen hier ist mir der Gedanke, Sie, Catherine, nicht mehr zu sehen, Ihre Stimme nicht mehr zu hören, unerträglich. Ich weiss, wir werden „unsere Trauerarbeit machen", wie man heute so sagt, und das Leben wird sein Recht zurückfordern. Sie selbst würden es wollen.

 

Jetzt aber bin ich traurig und müde von all den Abschieden.

 

Geneviève

25/08/2015

Liebe FreundInnen und KollegInnen,

in tiefer Trauer und mit großer Erschütterung geben wir euch Nachricht , dass

Éva Kálló

eva kallo

unsere langjährige Kollegin, Co-Präsidentin der Pikler-Lóczy-Gesellschaft Ungarn und herausragende Fachkraft für Säuglings- und Kleinkinderziehung

 

nach schwerer Krankheit am 14. August 2015 im Alter von 72 Jahren gestorben ist.

 

Wir haben viel von ihr gelernt, wir sind stolz, dass wir mit ihr zusammengearbeitet haben, und wir werden immer in Liebe an sie denken.

 

Pikler-Lóczy Gesellschaft Ungarn Lóczy Stiftung für Kinder Pikler Kinderkrippe

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